Zur Hinterwälder Kuh

Die Hinterwälder sind die kleinste Rinderrasse in Mitteleuropa. Die Tiere mußten sich an die rauhen Umweltbedingungen des Hochschwarzwaldes anpassen und sind deshalb sehr widerstandsfähig und besonders langlebig. Dank ihres geringen Gewichtes, ihrer Beweglichkeit und der sehr harten Klauen können diese Tiere noch auf steilsten Hanglagen weiden, ohne größere Erosionsschäden anzurichten. Somit haben die Hinterwälder als Landschaftspfleger eine besondere Bedeutung.

Das Hinterwälder Rind wird erstmals im Jahr 1829 erwähnt und ist als der besonders rein erhaltene Teil des badischen Landviehs anzusehen. Hinterwälder Ochsen waren früher wegen ihrer Gängigkeit, Ausdauer, Zähigkeit, harten Klauen hervorragende und beliebte Arbeitstiere. Aber auch gemästet war ihr Fleisch von allerbester Qualität.

Die Hinterwälder Rinder gelten als langlebig. Über 30% der Kühe sind älter als acht Jahre. 15-18-jährige Tiere sind keine Seltenheit. Das Gewicht der Kühe liegt bei 500 kg, das der Bullen bis 950 kg. Die mittlere Lebensleistung beträgt 3 500 kg Milch bei 4,2 % Fett und 3,7 % Eiweiß. Noch vor dem Zweiten Weltkrieg betrug die Widerristhöhe bei den Kühen 115 cm, heute liegt ein Großteil der Tiere bereits bei 118-120 cm Widerristhöhe.

Die Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen ernannte das Hinterwälder Rind zur 'Gefährdeten Nutztierrasse des Jahres 1992'. Exemplarisch sollte durch diese Wahl auf die Bemühungen der Züchter im Schwarzwald hingewiesen werden, denen es über 150 Jahre gelang, diese Rinderrasse nahezu eigenständig zu züchten, damit zu wirtschaften und zu erhalten.

 

Die Aufgaben der Hinterwälder lassen sich in folgenden Punkten zusammenfassen:

Milch- und Fleischleistung, Mutter- oder Ammenkuhhaltung, Erzeugung in naturnaher Produktion, Erhaltung als Kulturgut und Genreserve und Erhaltung des typischen Landschaftbildes für Natur und Mensch.

Die gute Qualität des Hinterwälder Fleisches ist seit langer Zeit bekannt. Es gilt als "Trüffel" unter den Rindfleischsorten. Die tägliche Zunahme der Jungbullen beträgt ca. 900 g. In der Mutterkuhhaltung, die auch im Bereich der Hinterwälder ZüchterInnen zunehmende Anhänger findet, liegen die Werte entsprechend.

Es muß angemerkt werden, daß es auch innerhalb der Rasse der Hinterwälder zu einer Aufspaltung und Veränderung des ursprünglichen Typs kommt, sobald die Mutterkuhhaltung die Hauptnutzungsrichtung darstellt. Häufig werden die Merkmale, die eine Milchkuh ausmachen, zu stark in den Hintergrund gedrängt. Es wäre wichtig, eine Ausgewogenheit der Nutzungsrichtungen zu erreichen.

 

Ich betreibe die Hinterwälder Zucht in Ammenhaltung. Zuchtziel: Ein Fleischrind mit ausgeprägter Bemuskelung ohne zu schwer zu werden. Weibliche Tiere sollen zwischen 500 und 550 Kilogramm und Bullen zwischen 750 und 950 Kilogramm wiegen.